Irgendwie vergisst du mich und ich weiß nicht, wie du das schaffst. Wie schaffst du es?
Ich denke an die Zeit im Januar zurück, alles war so anders. Du warst anders. Ich weiß noch wie nah wir uns waren, unser erstes Treffen nach Monaten. Es war so kalt, doch deine Augen so warm. Mir war warm. Mir ging es gut, obwohl ich den Winter so hasste. Aber du warst da, standest gegenüber von mir und lächeltest mich an. Deine Haare vom Winde ganz zerzaust und in alle Richtungen standen sie ab. Doch deine Art war es, die mich fasziniert hat. Du warst lustig und charmant, ohne dich aufzudrängen. Ich habe dir von meiner Vergangenheit erzählt. Du hast mich in deinen Armen gehalten und mir gut zugesprochen. Dein Talent war es, andere Menschen sich gut fühlen zu lassen. Du hast nie etwas im Gegenzug dafür verlangt. Du hast immer so viel Freude ausgestrahlt, wenn wir etwas zusammen gemacht haben. Es war egal was, Hauptsache zusammen. Genau das vermisse ich so sehr… Ich vermisse die Zeit mit dir so unfassbar dolle. Du warst da und ich fühlte mich lebendig, mit dir war alles lebendig.
Es ist Sommer, doch es ist kalt.
Monate sind vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Es wird langsam wieder warm.
Doch ist es irgendwie anders, deine Augen sind kalt und leblos. Dein Haar ist viel kürzer und dein Gesicht strahlt nicht mehr, wenn wir reden. Ich sehe es in deinen Augen, die viel dunkler sind, ganz trüb, als hättest du in den letzten Monaten viel erlebt, in den Monaten ohne mich.
Mit dir fühlt es sich nicht mehr leicht an. Meine Blicke suchen dich nicht mehr und du, du siehst mich nicht mal mehr an, obwohl ich dir doch direkt gegenüber stehe. Ich habe das Gefühl, du starrst mich an, als ob ich dir im Weg stehe.
Aber es liegt doch nicht an mir, ich mache doch nichts anderes? Ich lache doch noch genauso über deine Witze wie damals. Ich schaue dich genauso an wie damals. Also was hat sich denn dann so geändert, wenn ich es nicht bin?
Ich glaube, ich bin einfach nicht mehr das, was du begehrst. Ich merke, wie ich damals einfach stehen geblieben bin, aus der Hoffnung heraus, dass du mich wieder genauso lieben könntest. Trotzdem bin ich wütend auf dich. Du lässt mich einfach fallen, als wäre ich dir nicht wichtig. Als wäre das, was wir hatten, nichts Besonderes.
In deinen Träumen, in deiner Zukunft bin ich nicht mehr zu sehen. Wir wissen beide, dass unsere Zeit vorbei ist. Dieses magische Gefühl ist verklungen. Unsere Zeit war mal, doch jetzt sollten sich unsere Wege trennen und ich weiß es. Ich weiß das wirklich, nur ich will es nicht, denn ich denke die ganze Zeit an den Winter. Diesen einen Winter.
Der Unterschied zwischen uns ist, dass ich jetzt keine Gefühle mehr habe, weil du so farblos bist, einfach eine Hülle. Und deine Gefühle für mich? Die gingen einfach unter, sie ertranken mit dir und deinem alten Selbst.
Mit dir fühlt es sich falsch an, doch eigentlich wusste ich es. Ich wusste es seit dem Moment, als du vor Monaten wieder in mein Leben kamst. Ich brauchte die Zeit, um dich wieder gehen zu lassen, dieses Gefühl gehen zu lassen.
Aber jetzt? Ich denke an all das, was im Sommer passiert ist und an all das, was nicht war. Die Wärme, die nie da war. Dein lebloser Blick. Ich will dir helfen, dich heilen. Ich weiß, du bist nicht so. Ich kenne dich, oder doch nur die Person aus einem Winter, der nie enden sollte?
Deine neue Version hat auch mich verändert. Mir ist klar geworden, dass ich deinen Sommer gar nicht mehr will. Du hast mich verändert und dafür gesorgt, dass ich an mir zweifle, ohne auch nur in Betracht zu ziehen, dass du daran schuld sein könntest. Doch all das hat dazu geführt, dass ich selbstbewusster geworden bin und verstanden habe, dass ich nicht an alten Dingen festhalten möchte, die längst verflogen sind.
Ich werde dir nicht mehr hinterherrennen und mich auch nicht mehr nach dir verzehren.
Denn ich fühle mich jetzt komplett auch ohne dich.
Geschrieben von Naya Anding
Quelle Beitragsbild: Foto von Naya Anding






