Survival of the deepest : Figuren und ihre Entwicklungen

Die Autorin Janina Bernstein, Studentin des Studiengangs Kreatives Schreiben an der SOPA (Berlin School of Popular Arts) stellt ihre Reflexion zu dem Modul Storytelling I: Figuren vor.

Wir lieben und leben sie – Geschichten. Geschichten, in denen wir von interessanten Handlungen lesen. Geschichten, in welchen wir zu spannenden Orten reisen können. Und natürlich Geschichten mit außergewöhnlichen Helden und Heldinnen. Eine Geschichte zu kreieren, welche die Leser*innen packt, ist eine Herausforderung. Und dann sollte auch noch das Setting erlebbar beschrieben werden und die Figuren einzigartig sein. Gerade die Figuren sind wichtig und genau das ist die größte Challenge beim Schreiben. Die Story steht und fällt mit den Figuren. Sind sie zu langweilig, entwickeln sie sich nicht oder mögen wir sie einfach nicht, dann ist es schwierig, sich weiterhin auf die Story zu freuen. Die Lust am Lesen könnte vergehen und gerade das sollte vermieden werden. 

Genau mit diesen beiden Themen hat sich mein Studienkurs Storytelling I: Figuren des Studienganges Kreatives Schreiben und Texten an der SRH Berlin School of Popular Arts (SOPA) beschäftigt. 

Also, seid ihr bereit für einen Crashkurs zum Thema Figurenentwicklung? 

Ja? Okay, so here we go! 

Unvergessliche Figuren: Das kleine 1×1 

1. It´s all about the name and the look

Vieles, was einem in Geschichten vielleicht willkürlich erscheint, ist gerade in Bezug auf die Figuren genauestens geplant. Bzw.  hinter jeder Entscheidung steckt die Absicht des*der Autors*Autorin, ein gewisses Gefühl und eine bestimmte Wirkung zu erzeugen. 

Damit meine ich z. B.:

  • Welche Namen haben die Figuren?
  • Wie kann man durch die Namen auf die Familienverhältnisse und die soziale Stellung schließen?
  • Außerdem sollte sich der*die Leser*in ein Bild von der Figur machen können: Wie sieht diese aus? Welche Kleidung trägt sie? Welche Gesten sind typisch für sie?

Denn all diese Figurencharakteristiken sollen ein gewisses Bild von der Figur erzeugen. Sie geben ihr Tiefe und dem*der Leser*in direkte oder indirekte Hinweise darauf, wer sie ist. Fragt euch beim Entwickeln einer Figur also, was ihr mit dieser Figur genau bewirken möchtet!

2. Keep it real & Room to improve

Wie macht ihr eine Figur authentisch? Wie schafft ihr es, dass der*die Leser*in mit dieser mitfühlt? Antwort: Keep it real! Das Innenleben eurer Figur ist entscheidend, vor allem wenn es um ihre Entwicklung geht.

Damit meine ich z. B.:

  • Wirkliche Menschen haben Fehler, also sollte eure Figur auch welche haben. 
  • Selbstzweifel sind okay. Um eure Figur lebensecht zu gestalten, sollte sie auch Irrtümer begehen und Schwäche zeigen. 
  • Außerdem ist die Entwicklung sehr wichtig! Wir verändern uns – also sollte eure Figur es auch tun.

Betrachten wir es mal ganz simpel: 

Wäre euer Leben nicht auch langweilig, wenn nichts Spannendes passieren würde und alles perfekt wäre? Die Antwort ist: ja! 

Also behaltet dies für eure Figuren im Kopf und fragt euch, wie sie mit Problemen umgehen würden. 

3. Dive a little bit deeper: 

Welche Rolle spielt eure Figur in der Story? Wer beeinflusst sie? Warum ist sie, wie sie ist? 

Damit meine ich z. B.:

  • Persönlichkeitsmerkmale/Verhaltensweisen: Wie ist es um die Psyche eurer Figur bestellt? Könnte sie vielleicht eine Persönlichkeitsstörung haben?
  • Archetypen: Was für ein*e Funktionsträger*in ist eure Figur? Ist sie ein*e Held*in (Bsp.: Frodo aus Herr der Ringe), ist sie ein*e Mentor*in (Bsp.: Gandalf aus H.d.R.) oder ist sie vielleicht ein*e Gestaltenwandler*in (Bsp.: Saruman aus H.d.R.)? 

Kleiner Tipp: Schaut euch hierzu mal Figuren aus TV-Serien, wie z. B. Monk oder auch Sheldon aus der Serie The Big Bang Theorie an und analysiert diese. Deren Persönlichkeitsstörungen sind einfach wahnsinnig interessant!

All in all: 

Kreiert eine Figur, an die sich eure Leser*innen gerne erinnern und mit der sie mitfiebern können! Gestaltet sie authentisch und lebensnah! Langweilige Figuren überleben nicht lange – komplexe dafür schon, vor allem, wenn sie eine vielschichtige Entwicklung durchmachen. Baut in die Handlung mehr Herausforderungen ein!

Denn: Es gibt nichts Spannenderes zu sehen als die Reaktion einer Figur in Stresssituationen – erst dann lernt man sie richtig kennen und erst dann wird sie richtig authentisch.

Also, seid ihr bereit? Ja? Dann legt los und haucht euren Figuren Leben ein!

Autorin: Janina Bernstein studiert Kreatives Schreiben und Texten in Berlin an der SOPA (Berlin School of Popular Arts)

Titelbild from @Jess @ Harper Sunday by @Unsplash

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