Olivia Gatwood

Eine Lieblingsautorin – und wie sie sich inszeniert

Bitch Face is safe zone, is home

von Lynn Kohn

Egal ob absichtlich oder unbewusst, mit einem Resting Bitch Face rumzulaufen, kennen wohl die meisten von uns. Und für viele von uns ist es vielleicht auch unbewusst eine Art Zuflucht, die Mauer, die wir uns aufbauen, um in diesem Zeitraum keine sozialen Kontakte eingehen zu müssen. Man könnte meinen, Bitch face wäre eine Art „safe zone.“

„Bitch face is safe zone“

lautet  auch eine der gravierenden Zeilen von Olivia Gatwoods Gedicht „Ode to my bitch face“, welches auf Youtube schon eine Million Aufrufe erreicht hat. Auf der amerikanischen Poetryseite Button Poetry veröffentlichte die mittlerweile 28jährige schon zahlreiche Gedichte, welche hundertausendfach angeklickt worden sind.

Ihre Gedichte handeln größtenteils von den Erfahrungen, die sie als junge Frau gemacht hat, ein Thema, mit welchem ich mich identifizieren kann — und vielleicht einige von euch auch.

Ohne Angst vor Kritik und vor allem ohne etwas zu beschönigen, erschafft Olivia Gatwood Gedichte, die mich so intensiv mit in Situationen ihres Lebens nehmen, dass es mir manchmal schwer fällt, wieder rauszufinden.

„Bitch face is home“

lautet eine weitere Zeile. Was Zuhause für die junge Amerikanerin definiert, sieht man auf ihrem Instagramaccount (@oliviagatwood). Zwischen Pflanzenfotos und Spiegel-Selfies erkennt man vieles, aber vor allem, dass sie sich hier nicht als Schreibende inszeniert. Vielmehr als Frau, mit der man gerne Kaffee in einem Pflanzendschungel trinken würde.

Vielleicht sind es die zwei Seiten, welche die Künstlerin preisgibt, die einen dazu verleiten könnten, sich mit ihr zu identifizieren, ein gutes Mittel für sie, um sich besser mit ihrer Fan-Base zu connecten.

Eines ihrer Instagrambilder, welches jedoch mehr über sie verrät, ist das, welches ein Neonröhrenspruch kürt. „Life of the party“.

„Life of the party“

ist der Titel von Olivias erstem Poetrybuch, welches sie im Jahr 2019 veröffentlichte. Daraufhin folgte eine Buch-Tour, in der die junge Autorin ihre Gedichte vortrug und so Amerika und das United Kingdom bereiste. Auf der Tour und im Buch inszeniert sie sich als Schreibende.

In einem Interview erwähnte sie, dass alle ihre Gedichte auf wahren Lebensereignissen basieren. Sie erfinde nichts dazu und gibt sich so extrem authentisch. So gewährt „Life of the party“  ebenfalls tiefe und intime Einblicke in die Gefühlswelt der Autorin.

Über die Frage, wie oder ob eine Künstlerin  authentisch sein muss, damit man ihre Kunst vertreten kann, lässt sich diskutieren.

Auch, ob Olivias Weg der richtige Weg der Inszenierung ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Vielleicht neigt genau die jüngere Zielgruppe dazu, sich mit ihren Idolen zu identifizieren. (Intime) Einblicke in das Privatleben, sei es künstlerisch oder über soziale Medien, bieten viel Raum, um diese Identifikation weiterzuführen.

Ich persönlich habe mich jedoch oft gefragt, wie man mit der Kunst, die man erschafft, nach aussen geht. Ohne dass es weh tut. Olivia Gatwood zeigt mit ihren schmerzerfüllten und intimen Poetryslamtexten, wie nah ihr das Erschaffene geht.

Auf Instagram hingegen sieht man die andere Seite der jungen Frau. Eine Frau, die nicht immer traurig ist, nicht immer Bitchface ist, im Gegenteil.

Sie zeigt, wie man als Person weiterlebt und aber Kunst in sich trägt.


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