Autor*innen als öffentliche Personen

von Luise Rehme

Wir sind es gewohnt von Schauspieler*innen und Musiker*innen, aber auch Schriftsteller*innen bewegen sich in ihrer Position als schaffendende Künstler*innen im öffentlichen Rampenlicht. Und damit ist in den meisten Fällen eben nicht nur großer Ruhm, sondern auch große Verantwortung verbunden.
Der Anspruch, den wir an unsere Vorbilder stellen, kann überwältigend und sogar erschreckend sein – und nur weil Schreibende professionell mit Worten hantieren, heißt das nicht, dass sie vor Fehlern gefeit sind.

Es stellt sich also die Frage: Sollte man den Einfluss, den man hat, nutzen?

Abgesehen von Selbstdarstellung und Marketing der eigenen Produkte, bewegen wir uns hierbei schnell auch in Bereichen wie Politik, Religion, Weltanschauung und dem Verlangen nach Weltverbesserung.
Also – ist es ratsam und sogar moralisch verpflichtend, die Reichweite der eigenen Aussagen zu nutzen, um andere zu beeinflussen?

Treu nach dem Prinzip „immer erst mal die anderen“, möchte ich mir zur Beantwortung dieser Frage einige Beispiele ansehen, wie andere mit diesem Thema umgehen.

Vorbild oder lieber einfach man selbst?

Viele jüngere Autoren*innen vertreten sich persönlich auf Twitter und anderen Plattformen und scheuen dabei nicht davor zurück, Privates mit Arbeit zu vermischen. Mit dem Maß öffentlicher Aufmerksamkeit wächst aber offensichtlich auch das Bewusstsein dafür, dass Katzen-Memes und beliebige humorvolle Posts nicht mehr unbedingt das richtige Kommunikationsmittel sind.

Deutlich wird für mich jedoch, dass kaum junge Schreiberlinge in der momentanen Situation bereit sind, die eigenen politischen Überzeugungen im Keller verstauben zu lassen – rein aus persönlicher Überzeugung wird die eigene Reichweite genutzt, um für das einzutreten woran man glaubt.

Hingegen findet man berühmtere Schriftsteller*innen spärlicher im direkten Onlinekontakt mit ihren Fans – stattdessen wird der Fokus allein auf die eigenen Werke gelegt, oder die mühsame Arbeit gleich ganz an den Verlag abgegeben.

Ob dies nun an der vielzitierten Generationenbarriere, einem unterschiedlichen Verständnis von Selbstdarstellung oder einfach anderen Prioritäten liegt, ist eine Frage für einen anderen Tag.

Ein Beispiel aus deutschem Raum ist Walter Moers, der selbst gar nicht direkt im Internet auftritt – stattdessen stellt er sein Werk in den Vordergrund. Somit ist es nicht überraschend, dass man sogar eher den offiziellen Account einer seiner Figuren findet, als seinen eigenen.

Hingegen fiel mir Cornelia Funke als aktive Twitter Nutzerin ins Auge. Auf ihrem Account vermischt sie nicht nur zwei Sprachen, sondern hält auch meisterhaft Balance zwischen Marketing, Persönlichem und der Unterstützung der von ihr vertretenen Weltanschauung – und ist sich dabei auch nicht zu schade, direkt mit Fans zu interagieren.

Also, wie nun?

Nach ausschweifenden Recherchen bleibe ich nun also doch an der Frage hängen: Wie geht man selbst damit um, in solch eine Situation zu geraten? Wie würde ich reagieren?

Auf persönlicher Ebene bin ich davon überzeugt, dass in der heutigen Welt niemand mehr einfach schweigen sollte. Es passieren zu viele Dinge, als dass wir uns aus allem heraushalten können.
Aber, sollte dadurch eine Verantwortung oder gar ein Zwang entstehen? Und wo zieht man die Grenze zwischen persönlicher Überzeugung und professionellem Auftreten?

Ich merke, dass ich diese Frage nicht beantworten kann – nicht allgemeingültig, verbindlich.
Stattdessen, in vollem Bewusstsein der Selbstironie, wende ich selbst mich wieder an meine Vorbilder und ihre Medien. Wie z.B. Margaret Atwoods Twitter, Neil Gaimans Tumbler oder Brandon Sandersons Podcast und Youtube Videos, alles Autoren und Autorinnen deren Auftreten ich erlebt habe und dachte „ja, so würde ich auch gerne mal rüber kommen!“

Und vielleicht ist das ja auch die einzige Antwort, dass bei aller Diskussion am Ende jeder sich die Frage selbst beantworten muss: Wie nehmt ihr eure Vorbilder wahr, und wie würdet ihr gern wahrgenommen werden?

Spread the love