„ICH habe einen anderen Blick, keinen weiblichen oder männlichen Blick“

Erfahrungsbericht 2. Semester, 2. und 3. Block

Modul – Inszenierung von Autor*innen

06.05 – 14.07.2019

Der Studiengang Kreatives Schreiben Berlin berichtet: Exkursion zur Lesung von Antje Rávik Strubel im Literarischen Colloquium Berlin. In ihrem Essay behandelt Rávik „Die unerhörte Logik der gleichen Berechtigung“ und erinnert an Feministinnen wie Virginia Woolf

Am 16. Mai 2019 besuchten wir, einige Studierende unseres Studiengangs „Kreatives Schreibenund Texten“, eine Lesung und Diskussion mit Antje Rávik Strubel im Literarischen Colloquium Berlin. Der Besuch unterschiedlicher literarischer Veranstaltungen ist im zweiten Semester ein fester Programmpunkt unseres Studiums.

Antje Rávik Strubel wurde im März 2019 mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet, leitet Prosaworkshops, schreibt literarische Essays und Romane und arbeitet als Übersetzerin. Das Programm setzte sich aus einer Lesung, einem Gespräch zwischen der Autorin und der Philosophin Catherine Newmark sowie einer Gesprächsrunde mit dem Publikum zusammen. 

Antje Rávik Strubel verlas ihr Essay „Die unerhörte Logik der gleichen Berechtigung“, das sie in diesem Jahr aus aktuellem Anlass geschrieben hatte: Am 18. März 1919 wurden erstmals sechs Parlamentarierinnen in die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung aufgenommen. 

Rávik bezieht sich in ihrem Essay auf Feministinnen wie Virginia Woolf, Hélène Cixous und andere Frauenrechtskämpferinnen. Rávik betont die Stärke und ungeheure Kraft des Feminismus. Je mehr Sexismus, desto weniger Demokratie gebe es. Wo Frauen Bildung genießen, könne Krieg verhindert werden. Es sei erschreckend, dass sogar noch im Jahr 2017 männliche Autoren im Schnitt doppelt so viel wie Autorinnen verdienten. 

Einerseits plädiert Rávik dafür den Verdienst gendergerecht zu verteilen, anderseits ruft sie uns dazu auf, uns endlich von diesem Geschlechterstolz, Religionsstolz und Bildungsstolz zu lösen. Nur dann könnten wir wirklich frei sein.

Rávik schreibt auch über die vielen verschiedenen Persönlichkeitsanteile, die sie in sich trägt: „Was will ich? Was wollen sie?“, fragt sie sich in ihrem Essay selbst. „So divers werden, wie man ist“, lautet ihre Antwort.  Es sei erschreckend, die Welt nur in Zweihaftigkeit zu teilen, wo jede*r doch in sich selbst so viel Vielfältigkeit trägt. Menschen sollten als sie selbst wahrgenommen werden und nicht als Mann oder als Frau.

Bei der abschließenden Gesprächsrunde mit dem Publikum fragte eine Zuhörerin Antje Rávik Strubel, ob es denn für sie keinen Unterschied mache, ob eine Frau oder ein Mann ein Buch verfasse. Der weibliche Blick auf die Welt oder ein Geschehen sei ihrer Meinung nach doch ein anderer als der männliche. Antje Rávik Strubel beantwortete die Frage so:

„ICH habe einen anderen Blick, keinen weiblichen oder männlichen Blick.“

Photo by v2osk on Unsplash

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